· Torsten · 3 min read
Warum relativ schätzen, statt direkt in Stunden?
Ja, der Kunde will wissen, wie lange es dauert — und er wird es erfahren. Aber wenn man relativ schätzt, erfährt er es schneller und verlässlicher als durch geratene Zeitwerte.

Warum relativ mit Storypoints schätzen, statt absolut und direkt Aufwände? Das will der Kunde doch eh wissen. Drei Vorteile von relativen Schätzungen.
Ja, der Kunde will wissen, wie lange es dauert, und er wird es erfahren. Aber wenn man relativ schätzt, dann erfährt er es sogar schneller und verlässlicher als durch das Schätzen von absoluten Zeitwerten.
Zwei Sandhaufen
Stell dir vor, vor dir sind zwei Sandhaufen. Sie sind unterschiedlich groß. Ein kleiner und ein großer Haufen. Deine Aufgabe: Beide Haufen so schnell wie möglich wegzuschaufeln.
Der Polier fragt dich: Wie lange brauchst du für die beiden Haufen? Da du kaum Erfahrung im Schaufeln hast, fällt dir die zeitliche Abschätzung schwer. Du rätst 2 Stunden und der Polier schaut kritisch.
Was du aber sehr schnell und gut sagen kannst, ist, dass der größere Haufen etwa 5-mal so groß ist wie der kleinere. Also wirst du für den einen auch 5-mal so lange brauchen. Wenn du nun anfängst und den kleinen Haufen in 30 min geschafft hast, kannst du auf der Basis deiner empirischen Erfahrung ziemlich sicher sagen, dass der andere Haufen in 2,5 Stunden zu schaffen ist. Und du könntest das auch fortan mit anderen Haufen tun.
➡️ Das ist im Kern, worum es bei einer relativen Schätzung geht. Größenverhältnisse abschätzen und über die Größe und empirische Erfahrung die Zeit daraus ableiten. Die „Maßeinheit“ für die Größe sind Storypoints. Das mag auf den ersten Blick trivial klingen, aber die relative Schätzung hat ein paar entscheidende Vorteile:
Drei Vorteile
1️⃣ Sie sind schnell. Größenverhältnisse von Arbeit kann ich selbst als Laie verhältnismäßig gut und schnell abschätzen.
2️⃣ Sie sind unabhängig vom Können und damit für Teams geeignet. Selbst wenn Personen mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen schätzen, würden sie die Größenverhältnisse gleich schätzen, obwohl sie für das Schaufeln unterschiedlich lange brauchen würden. Das hilft, Missverständnisse aufzudecken. Wenn zwei Personen die Größenverhältnisse unterschiedlich bewerten, dann ist das ein klares Warnsignal, denn sie sehen offensichtlich eine unterschiedliche Menge an Arbeit. Darüber sollte man reden.
3️⃣ Sie sind robust gegenüber einer bestimmten Form von Änderungen. Stell dir vor, der Polier hätte vergessen, dir zu sagen, dass der Sand noch gesiebt werden muss. Eine absolute zeitliche Schätzung hätte das vermutlich ordentlich durcheinandergewirbelt. Da sich das Sieben aber gleichermaßen auf alle Sandhaufen auswirkt, bleibt die relative Schätzung gleich.
Messen statt raten
Zurück zum Polier. Deine 2 Stunden waren daneben, es werden 3. Aber nach dem ersten Haufen musst du nicht mehr raten, du rechnest. Genau das macht die relative Schätzung schneller und verlässlicher: nicht besser raten, sondern messen und hochrechnen.
📝 Merke: Robuste und schnelle Schätzungen starten mit der Frage nach dem „wie viel“ und nicht nach dem „wie lange“. Dauer ist das Ergebnis von Erfahrung und passt sich automatisch an dein Tempo an.
Schätzt du relativ? Und wenn nein, warum nicht?



