· Torsten · 3 min read
Was ist eigentlich ein Storypoint?
„Ein Storypoint misst die Komplexität einer Aufgabe.“ Diese Antwort ist nicht falsch — sie taugt nur nicht als Anleitung. Denn ein Storypoint kommt nie allein.

Als ich das erste Mal fragte, was ein Storypoint sei, war die Antwort: Er messe die Komplexität einer Aufgabe. Meine Reaktion: 🤯
Komplexität. What?! Wie zum Teufel will ich das messen? Ja, genau das wäre ja das Ding… Es ginge ja darum, das Maß seiner Unsicherheit auszudrücken. Eine größere Zahl bedeutet eben größere Unsicherheit. Hätte ich in der Situation meiner Verunsicherung eine Zahl geben müssen, dann hätte ich ihr eine… Ja shit, was eigentlich?!?
Wer Storypoints so erklärt, muss sich nicht wundern, wenn deren Anwendung für die Schätzung am Ende in die Hose geht. Nicht weil die Antwort falsch wäre. Komplexität steckt tatsächlich in der Zahl drin, neben Menge, Risiko und allem anderen, was Arbeit macht. Sie taugt nur nicht als Anleitung. Denn wie komplex etwas ist, kannst du nur im Vergleich sagen. Genau dieses „verglichen womit“ fehlt in dem Satz. Und ohne das stehst du vor einer Frage, auf die es keine Antwort gibt.
Dabei ist es eigentlich ganz einfach
➡️ Ein Storypoint kommt nie allein. Der Sinn ergibt sich nur in Relation zu einer anderen Aufgabe. Ein Storypoint ist eine abstrakte Größe für mein Bauchgefühl, die es mir erlaubt, die relative Größe von zwei Aufgaben zueinander abzuschätzen.
Deshalb ist die erste Zahl im Backlog die schwerste. Sie ist der Referenzpunkt für alles andere. Ab da wird es leicht: doppelt so viel Arbeit wie die 3? Dann eine 8.
Warum Fibonacci?
Die Zahlen dafür kommen aus der Fibonacci-Reihe. In dieser Reihe wachsen die Abstände zwischen den Zahlen mit. In der Praxis nimmt man gerundete Werte: 1, 2, 3, 5, 8, 13, 20, 40, 80… Das hat einen Grund. Je größer eine Aufgabe, desto weniger genau kannst du sie einschätzen. Bist du dir bei der 8 unsicher, nimmst du die 13, auch wenn das vermutlich zu groß ist. In dieser Zahl steckt dann bereits ein Puffer.
Und damit können wir gleich mal einen Unsinn rund um Storypoints klarstellen: Storypoints schätzen keine Unsicherheit. Die Verwendung der Fibonacci-Reihe preist diese einfach mit ein.
Macht daraus keine Wissenschaft
Und jetzt eine Bitte: Leute, bitte macht aus Storypoints keine Wissenschaft. Sie sind ein einfacher, abstrakter Wert, der hilft, relative Größenverhältnisse von Aufgaben mit wenig Aufwand zu schätzen.
Warum wir dafür relativ schätzen und nicht direkt in Stunden (denn das will der Kunde doch eh wissen), erkläre ich in einem weiteren Artikel. Also entspannt euch. Es bleibt eine Schätzung. Bei der einen liege ich drüber, woanders liege ich drunter. Im Mittel wird es schon passen. 🤞
Vom Punkt zur Rechnung
Am Ende leitest du daraus Dauer und Kosten 💸 deines Projekts ab. Und das geht so: Du teilst die Summe aller Punkte durch die Velocity deines Teams. Aber Obacht. Denn die Velocity ist das nächste große Missverständnis in der agilen Welt. Warum, habe ich bereits in Velocity ist keine Geschwindigkeit geschrieben.
Eine Zahl ohne Einheit, die dir am Ende trotzdem sagt, was dein Projekt kostet. Nicht schlecht für etwas, das angeblich nur Komplexität misst.
Wie erklärst du Storypoints in deinen Teams?
Titelbild: Foto von Jon Sailer auf Unsplash



